Bürgersolaranlagen lohnen sich!

Mit dem Begriff "Bürgersolaranlagen" werden alle Solaranlagen sowohl zur Strom- (Photovoltaik) als auch zurWärmeerzeugung (Solarthermie) bezeichnet, die sich in privater Hand von Bürgerinnen und Bürgern befinden und nicht von Wirtschaftsbetrieben oder von Gebietskörperschaften bzw. öffentlichen Verwaltungen. Dabei kann es sich um Einzelpersonen bzw. Privathaushalte handeln, die sich eine Solaranlage z.B. für das Eigenheim anschaffen, oder Bürgergruppen, die sich in einer Genossenschaft oder einer anderen Rechtsform (z.B. Kommanditgesellschaften) organisieren, um gemeinsam in eine etwas größere Anlage zu investieren (siehe auch Beispiele bestehender regionaler Genossenschaften bzw. Bürger-Solar-Gesellschaften hier in diesem Link).

 

Landwirte und Privatleute besaßen nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Trend Research im Juni 2016 gemeinsam rund 49 Prozent der installierten Leistung der Photovoltaik [1]. Dies zeigt die dominierende Rolle des privaten Sektors insbesondere bei der Stromerzeugung durch Solaranlagen.

 

 

Warum lohnt sich auch aktuell eine private Photovoltaikanlage?

Für die Umwelt auf jeden Fall. Wirtschaftlich muss diese Frage aber immer nach der jeweils aktuellen Kosten- und Fördersituation sowie nach der Eignung des jeweiligen Standorts (Sonneneinstrahlung, Beschattung, Tragfähigkeit des Daches, Eigenverbrauchspotentiale) geprüft werden.

Nachdem durch die letzten Novellierungen des Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) die Vergütungen für in das allgemeine Stromnetz eingespeisten Solarstrom ständig abgesenkt wurden (Stand Februar 2018: Bei Leistung der Photovoltaikanlage bis 10 KW 12,20 Cent/KWh) lohnt sich eine private PV-Anlage derzeit nur bei möglichst hohem Eigenverbrauch des erzeugten Solarstroms -- vor allem in Verbindung mit einer (Batterie)Speicherung des Stroms. Der selbst erzeugte Strom ist in der Regel deutlich preisgünstiger erzeugt, als Strom, der von einem externen Versorger für normalerweise deutlich über 22 Cent (netto) pro Kilowattstunde bezogen werden kann. Und bei steigender Tendenz der Preise für fremdgelieferten Strom spart man durch selbsterzeugten PV-Strom stetig mehr.

Deshalb sollte man die eigene Photovoltaikanlage z.B. auf dem eigenen Hausdach in ihrer Dimension möglichst am Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms ausrichten (>30% Eigenvergrauch ohne Batterie, >65% Eigenverbrauch mit Batterie).

 

Photovoltaikmodule deutlich billiger geworden

Vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang auch, dass Photovoltaikmodule in den letzten Jahren deutlich billiger geworden sind. Zudem gibt es etliche Förderprogramme z.B. von einigen Bundesländern und Kommunen sowie zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank). Auch umwelt-orientierte Banken wie z.B. die Umweltbank AG oder die GLS Bank bieten attraktive Finanzierungs-angebote für Photovoltaikanlagen an. Eine Nachfrage bei Energieanbietern wie beispielsweise den EWS Elektrizitätswerken Schönau (auch eine Genossenschaft!) kann sich ebenfalls lohnen.

 

Photovoltaikanlage steuerlich absetzen

Außerdem kann eine Photovoltaikanlage langfristig auch steuerlich abgesetzt werden. Man kann dabei zwischen einer linearen oder degressiven Abschreibung wählen. Lineare Abschreibung bedeutet, dass je 5 Prozent des Anschaffungspreises über zwanzig Jahre lang abgeschrieben werden. Bei der degressiven Abschreibung werden im ersten Jahr 12,5 Prozent des gesamten Wertes abgesetzt, im zweiten Jahr 12,5 Prozent des Wertes, der nach Abzug des Vorjahres übrig bleibt, usw.. Sobald dieser Betrag auf 5 Prozent der Anschaffunskosten gesunken ist, werden diese 5 Prozent bis Ende der Abschreibungszeit beibehalten.

 

Fazit:

  • Es ist immer noch lohnend, sich eine private Photovoltaikanlage zuzulegen, obgleich die Einspeise-vergütungen weiter sinken werden. Im Gegenzug ist zu erwarten, dass sich die PV-Module weiter verbilligen und die Batteriespeicherung effizienter und kostengünstiger werden wird. Deshalb sollte auch der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms möglichst hoch gehalten werden.
  • Da sich die Rahmenbedingungen ständig verändern, ist es ratsam, sich zum Zeitpunkt der Investition in eine eigene Photovoltaikanlage über die jeweils aktuellen Bedingungen bzw. Werte zu informieren (Internet, Bürgerenergie-Genossenschaften, Verbraucherberatung, Fachhandel usw.). Sehr informativ und nützlich ist hierfür auch die Website www.solaranlage.de, mit der man Kosten, Fördermöglichkeiten, aktuellen EEG-Gesetzesstand sowie mit einem Photovoltaik-Rechner individuell über die Nutzfläche, die Dachausrichtung und den Standort der Anlage die zu erwartenden Erträge einer geplanten Photovoltaikanlage ermitteln und mehrere Angebote von Fachhändlern und Solar-Firmen-Suche in näherer Umgebung finden kann.

Neuauflage Leitfaden für Photovoltaikanlagen und Stromspeicherplanung

Auch der neu überarbeitete Planungsleitfaden "Schritt für Schritt zur Photovoltaikanlage" liefert Antworten auf die vielen Fragen und Tipps, worauf man bei der Planung achten muss -- z.B. wie groß muss eine Photovoltaikanlage sein und wie kann man den Strom nutzen? Der Leitfaden richtet sich an Hausbesitzer, Bauherren und Gewerbebetriebe, die eine Photovoltaikanlage mit oder ohne Stromspeicher für den Eigenverbrauch planen. Der umfangreich illustrierte Ratgeber enthält auf 32 Seiten zahlreiche Praxisbeispiele, Musterberechnungen, Checklisten, hilfreiche Tipps und erklärt in acht Schritten, wie man sein Hausdach als Energiequelle nutzen kann.

Der Leitfaden kann auf der Internetseite der Firma Enerix unter https://www.enerix.de/photovoltaik/ als kostenfreie PDF-Ausgabe angefordert werden. Die gedruckte Version ist für 8 Euro erhältlich.[2]

 

Neue DGS - Broschüre "Neue Chancen für die Photovoltaik durch Versorgung vor Ort"

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), Landesverband Franken e.V. hat für Interessierte eine sehr informative Broschüre zum Thema Photovoltaik mit dem erläuternden Untertitel "Konzepte und vertragliche Muster zur Selbstversorgung und Belieferung mit Strom und Wärme aus Sonnenenergie auch in Kombination mit Speichern und weiteren Erzeugungsanlagen in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Erzeugung" (1.Auflage,  März 2018) herausgegeben (www.dgs-franken.de). (3)

 

Neue Entwicklungen

Unter dem Link Aktuelles/Neue Entwicklungen bei der Solarenergie finden Sie kurze Hinweise auf einige interessante neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Photovoltaik wie "Steckdosenfertige Solarmodule", "Solarziegel und Solardächer", "Neues Solarmodul ohne Lichtreflexionen" und "Pachten bzw. mieten von Photovoltaikanlagen".


Bild: pixaby.com, Creative Commons CC0

 

Quellen:

[1]  pv-magazin: Buergerenergie-weiter-auf-hohem-niveau

[2] enerix 2018: Photovoltaik Leitfaden 20188 ,
      zitiert auch in: Newsletter "SONNENSEITE" von Franz Alt (9.3.2018)

[3] Newsletter "SONNENSEITE" von Franz Alt (7.4.2018)