Unsere Region im Taunus

Unsere "Region" befindet sich im Taunus. Im Süden liegen die stärker bewaldeten und höher gelegenen Teile: der Vordertaunus und der Hohe Taunus. Die Windverhältnisse in dieser Mittelgebirgslage bieten gutes Potenzial für die Windkraftnutzung.

 

Konkret sind wir im Bereich Idstein, Niedernhausen und Umgebung aktiv und pflegen die Vernetzung mit weiteren Initiativen im Rheingau-Taunus-Kreis und Wiesbaden. Die Möglichkeiten, sich themenspezifisch zu vernetzen und aus solchen Initiativen heraus eine positive Veränderung anzuregen und zu unterstützen sind vielfältig wie Beispiele von Bürgersolaranlagen und Stromnetzkauf zeigen.

 

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Wir wollen einen Überblick zur Ökostromproduktion im Taunus geben und verdeutlichen anhand des Haushaltstromverbrauch, wie der Fortschritt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zu bewerten ist.
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Regionale politische Trends hemmen den Ausbau der Erneuerbaren in der Region. Wir bringen unsere Meinung ein, an welchen Stellen bürgerliches Engagement für Erneuerbare Energien aus unserer Sicht derzeit  Sinn macht - in der Region und insbesondere auch durch die Unterstützung deutschlandweit agierender Energiegenossenschaften.
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Die Energiewende 2.0, eine Systemwechsel, wird in Deutschland debattiert. Wir skizzieren kurz, welche Wege die Kommunalpolitik nun einschlagen kann - "weiter so" oder nun das Heft in die Hand nehmen und schnell Photovoltaik und Windkraft vor Ort in einer Weise auszubauen, die ein dezentrales Netz stärkt.
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Oekostrom

Region: Ökostromproduktion und Anteil am Stromverbrauch

Nebenstehende Grafiken zeigen am Beispiel des Jahres 2013 die Ökostromproduktion in unserem näheren und etwas weiteren regionalen Umfeld (Taunus)[1]. Die Photovoltaik steuerte in 2013 etwa die Hälfte der gesamten Ökostromproduktion bei. Das große Potenzial der Windkraft ist an den Daten ebenfalls erkennbar: 19 Windkraftanlagen lieferten in 2013 fast eine Drittel des Ökostroms, der in der Region erzeugt wurde.

Das Potenzial der Windkraft ist bemerkenswert, denn die 19 im Jahr 2013 in Betrieb befindlichen Anlagen waren im Vergleich zu heutigen Anlagen, die speziell für das Binnenland optimiert sind, bei weitem noch nicht so leistungsstark. Gleichwohl brachte bereits in 2013 der Betrieb weniger Windkraftanlagen Gemeinden wie Heidenrod und Weilmünster an die Spitzenpositionen bei der Ökostromerzeugung in der Region.

Historie: Sieht man den Entwicklungsstand 2013 aus der Perspektive, wie es in der Region vor 25 Jahren aussah und was erreicht wurde, so gilt es viele positive Beispiele bürgerlichen Engagements und Unterstützung durch die Kommunen - insbesondere im Bereich der Photovoltaik - zu würdigen.

 

Heute: Betrachtet man das Erreichte im Vergleich zu Deutschland, so sieht es eher traurig aus. 118 Gigawattstunden Ökostrom wurden in 2013 in der Region insgesamt erzeugt. Dies entspricht einem Anteil an Haushaltstromverbrauch von (vgl. Anmerkung 1):

  • 12% in der Region insgesamt

Bezogen auf den Haushaltsstromverbrauch von Gemeinden sieht der Anteil der eigenen Ökostromproduktion an folgenden Beispielen wie folgt aus:

  • 9% in Idstein
  • 5% in Taunusstein
  • 4% in Niedernhausen

Rechnet man den Stromverbrauch der weiteren Verbrauchergruppen Industrie, Verkehr, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe, Dienstleistungen und öffentliche Einrichtungen anteilig der Einwohnerzahl auf die Region um, so liegt der Beitrag der Ökostromerzeugung in der Region am Nettostromverbrauch bei nur etwa 3% (vgl. Anmerkung 2).

 

Hemmnisse

Hemmnisse und bürgerliches Engagement für Erneuerbare Energien

Leider war in unserer Region in den letzten Jahren oft das Verhalten "Windkraft Ja, aber nicht vor meiner Haustür" zu beobachten. Bürgerliches Engagement für Windkraft führte nur zum Teil zu Transparenz und Akzeptanz. Es provozierte Anti-Windkraft-Bewegungen, die lautstark die Emotionen der Leute bedienten. Aus heutiger Sicht kann man die Kampagnen dieser Anti-Windkraft-Initiativen als "postfaktisch" einordnen. In der lautstarken Debatte fanden Fakten nur in geringem Maße Gehör. Das Für und Wider wurde meist nicht mit der Kraft der Vernunft und einer sachlichen Güterabwägung diskutiert. Emotionen waren Trumpf. Meist fehlte den Kommunalpolitikern in solch aufgeheizter Stimmung sowohl der Mut als auch die Sachkenntnis um Windkraftprojekte positiv mit den Bürgern zu diskutieren.

Hinzu kam der von der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung verursachte Einbruch beim Ausbau der Photovoltaik aufgrund viel zu abrupter Absenkung der Fördersätze. Dies führte nicht nur zu massiven Arbeitsplatzverlusten in der Deutschen Photovoltaikindustrie sondern ließ auch den Ausbau der Photovoltaik in unserer Region einbrechen.

 

Nach unserem Selbstverständnis sind wir weder angetreten, um uns lautstark mit Windkraftgegnern auf emotionaler und sachferner Ebene auseinanderzusetzen noch liegt es uns, demokratische Entscheidungen nicht zu akzeptieren. Es ist auch festzustellen, dass das Zeitfenster für neue Bürger-Windkraftprojekte seit dem EEG 2017 vorbei zu sein scheint. Nach den neuen Regeln ist absehbar, dass wohl nur noch Investoren mit starker Kapitalausstattung und Erfahrung in öffentlichen Ausschreibungen bei neuen Windkraftprojekten zum Zuge kommen.

 

Gleichwohl war, ist und bleibt unser Engagement vielfältig. Die umfasst Beteiligungen an Bürgersolaranlagen, die Unterstützung des Stromnetzkaufs Goldener Grund, die Unterstützung von Pro Windkraftinitiativen in der Region. Zudem betreiben viele von uns, wie glücklicherweise mittlerweile viele weitere Bürger, ihre eigene Solaranlage auf dem Dach und viele haben auch bereits die Wärmedämmung im Eigenheim vorangetrieben. Zudem gilt es Strom und Heizkosten zu sparen. Darüber hinaus sind Beteiligungen an regionalen und auch deutschlandweiten Energiegenossenschaften wie z. Bsp. der pre (pro regionale energie eG), EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, Greenpeace Energy eG oder PROKON Regenerative Energien eG gute Möglichkeiten sich zu engagieren (zu Prokon: vgl. Anmerkung 3).

 

Ausblick

Ausblick

In Deutschland hat die Debatte um die Energiewende 2.0 begonnen. Strom wird künftig auch im Verkehr und für die Raumwärme in viel stärkerem Maße als heute gebraucht: für Elektro-Autos, für strombetriebene Wärmepumpen die Häuser beheizen und für die Herstellung von Wasserstoff oder Methan als speicherbare Energieträger. Für die „Dekarbonisierung der Sektoren Strom, Verkehr, Wärme und Industrie auf Netto NULL bis zum Jahre 2050“ wird der Stromverbrauch deshalb auf das Doppelte des heutigen Verbrauchs ansteigen. Dies gelingt allerdings nur dann, wenn gleichzeitig die sparsame Energienutzung (Effizienz, Energie sparen) sehr deutlich verbessert wird. Will die Gesellschaft aber ein „weiter so“, so könnte der Strombedarf auf das Sechsfache ansteigen.[5][6][7]

 

Unsere Region hat bedauerlicherweise die Hausaufgaben für den Klimaschutz und die erste Phase der Energiewende bisher nicht geschafft. Nimmt die Kommunalpolitik die Herausforderungen nun an und macht Ernst mit Klimaschutz und dem Ausbau Erneuerbarer Energien, so muss deshalb nun vieles sehr viel schneller und auch parallel gehen. Arbeitet die Kommunalpolitik allerdings "weiter so" wie in den letzten Jahren, ist ein dezentraler Ausbau an Erneuerbaren Energien in unserer Region nicht in ausreichendem Maße zu erwarten. Eine dauerhafte, hohe Abhängigkeit von der Energie-Fremdversorgung sowie der langfristige Bedarf an stark ausgebauten Hochspannungsleitungen ist die Konsequenz.

 

Der gute Teil der Nachricht ist, dass großes Potenzial sowohl für Photovoltaik, Solarthermie als auch Windkraft in der Region vorhanden ist. Die Grundvoraussetzung für ein System mit starker, dezentraler Energieversorgung ist also gegeben. Viele Gemeinden und auch die Region könnten ein etwa ausgeglichenes Verhältnis von Strom aus Photovoltaik und Strom aus Windkraft erreichen, ergänzt um einen verantwortbaren Anteil aus der Biomassenutzung. Solch ein Mix würde sich bestens ergänzen, den Bedarf an Energiespeichern minimieren und das Netz entlasten. Gleichwohl wären auch dezentrale Kurzzeit-Energiespeicher nötig (Batteriespeicher, Lösungen für Strom aus Windkraft wie z. Bsp. kleine Pumpspeicher).

Dennoch bliebe das Problem der „Dunkelflaute“ zu lösen (wenn über längere Zeit die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht). Maßnahmen dazu sind ein ausreichend dimensionierter Netzausbau, weitere Flexibilitätsoptionen wie die Steuerung von Strom-Großverbrauchern aus der Industrie (Demand-Side Management) und der Transport von synthetischem Gas (aus Solar- und Windkraft-Überschussstrom) über das vorhandene Gasnetz an KWK-Anlagen und weitere Verbraucher in der Region.


EEG-Anlagenregister – Transparenz von Daten

Um die Entwicklung von EEG geförderten Ökostromanlagen in unserer näheren und weiteren Region darstellen zu können, haben wir die Daten des „EEG Anlagenregister" von EnergyMap.info genutzt. EnergyMap.info ist eine Initiative auf ehrenamtlicher Basis, die von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und der RAL Güteschutz Solar unterstützt wird. EnergyMap.info übt Kritik an der Transparenz der Daten zu EEG Anlagen in Deutschland. Seit in Kraft treten der Anlagenregisterverordnung vom 01.08.2014 gäbe es praktisch keine Transparenz mehr bei den Daten für Photovoltaikanlagen, weshalb EnergyMap.info weitere Updates der ansonsten sehr aussagekräftigen Datenbasis eingestellt hat. Dazu passt die Nachricht vom 17.02.2017 der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS): "mit dem EEG 2017 muss eine Meldung bei der Bundesnetzagentur nur von EEG-umlagepflichtigen Eigenversorgern mit der jährlichen Meldung der umlagepflichtigen Strommengen erfolgen". Sowohl Eigenverbrauch als auch die Strommengen der nicht-EEG Anlagen tauchen also nicht mehr in den Daten der Bundesnetzagentur auf.

Wir haben deshalb das Jahr 2013 für eine seriöse Momentaufnahme gewählt und schließen uns der Kritik von EnergyMap.info an.

 

Anmerkungen

  1. Als Berechnungsbasis haben wir einen durchschnittlichen Haushaltsstromverbrauch von 1.770 kWh pro Kopf und Jahr verwendet[4].
  2. Würde man für den Klimaschutzplan einer Gemeinde den Nettostromverbrauch der Gemeinde zuordnen, so kann man die weiteren Verbrauchergruppen sicher nicht so einfach per Einwohnerzahl im Umlageverfahren verteilen. Andererseits darf eine Gemeinde sich bei der Zuständigkeit zum Klimaschutz nicht der Illusion hingeben, an der Gemarkungsgrenze höre die Verantwortung auf. In unserer Region gibt es sehr viele Berufspendler, deren Arbeitsplätze von der Infrastruktur in einer anderen Region abhängen.
  3. Das Beispiel Prokon zeigt, dass jeder Einzelne sich der Chancen und Risiken bewusst sein muss, bevor er sich für eine Beteiligung an einem Unternehmen oder einem Projekt entscheidet. Am Beispiel Prokon entschieden sich Menschen in der ersten, stürmischen Wachstumsphase und im - leider unbegründeten - Vertrauen auf ungewöhnlich hohe Renditen für eine finanzielle Beteiligung an Prokon, ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik der Firma zu haben. Im Zuge der Insolvenz von Prokon verloren diese Menschen Geld. Trotzdem entschieden sich die meisten der Anleger, ihre Anteile in der kritischen Phase nicht an EnBW zu verkaufen sondern nahmen das Heft selbst in die Hand und wandelten Prokon in eine Genossenschaft um. Die Prokon eG ist derzeit eine der größten -- wenn nicht sogar die größte -- Energiegenossenschaft Deutschlands. Dies verdient höchsten Respekt und beweist, dass Ökonomen mit ihrer Annahme, man können die Wirtschaft nur auf dem Modell des "homo oeconomicus" aufbauen, unrecht haben.