Klimawandel begrenzen

Umstellung von Kohle, Öl und Gas auf Erneuerbaren Energien

Seit Beginn der Industrialisierung wurden enorme Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre "entsorgt". Politik und Wirtschaft haben es bisher versäumt frühzeitig eine Umkehr zur Dekarbonisierung einzuleiten. Unsere Energieversorgung von Kohle, Öl und Gas auf Erneuerbare Energien umzustellen ist die Maßnahme mit der größten Wirksamkeit zur Begrenzung des Klimawandel. Dies ist allerdings nur ein Teil der Lösung. Heute sind deshalb - gleichzeitig und entschlossen - weitere Maßnahmen zur schnellen Reduktion der CO2 Emissionen in den Sektoren Verkehr, Wärme, Landwirtschaft und Industrie dringend erforderlich. Nur so ist der Wettlauf gegen die Zeit noch zu gewinnen, um den Klimawandel in erträglichen Grenzen zu halten.

2015 und 2016 hat sich das Bewusstsein zu Erneuerbaren Energien weltweit auf ein neues Niveau entwickelt. Das "Weltklimaabkommen von Paris" ist ein historischer Meilenstein in der Entwicklung der Menschheit den selbst verursachten Klimawandel mit seinen verheerenden Folgeschäden zu begrenzen. Vorrangegangen waren enorme Fortschritte in der Klimawissenschaft und das zunehmende Engagement der Zivilgesellschaft, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Wetterextreme, wie wir sie unter anderem auch in 2015 und 2016 in Deutschland erlebten, konnten aufgrund ihrer ungewöhnlichen Häufung nun auch von der breiten Bevölkerung mit dem Klimawandel im Zusammenhang verstanden werden. Existentielle Zusammenhänge (vgl. Grafik) wurden immer mehr Menschen bewusst

  • dramatisch steigenden CO2 - Konzentration in der Atmosphäre (verursacht durch den Menschen aufgrund der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas seit Beginn der industriellen Revolution; dramatisch beschleunigt seit 1950) [1][5]
  • zunehmende Erderwärmung [1][5]
  • der dadurch von Menschen verursachte Klimawandel [1]
  • fatale Folgewirkungen für die Menschheit - insbesondere wenn durch ein "weiter so" mehrere der sogenannten Klimakipppunkte überschritten werden und dadurch das Erdklima aus Sicht der Menschen "völlig außer Kontrolle" geraten sollte [1]

Eine sehr aussagekräftige Grafik zu den Kipp-Elementen in Bezug auf die Entwicklung der globalen Mitteltemperatur hat das PIK veröffentlicht.[1][7][8]

Die geduldige Arbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft führte endlich zu einem Umdenken

  • 43 Jahre nachdem Wissenschaftler (Club of Rome, 1972) die Grenzen des Wachstums grundsätzlich erkannten
  • 23 Jahre nach Vereinbarung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio, 1992)

195 Ländern vereinbarten im Dezember 2015 in Paris ein neues Weltklimaabkommen mit dem Ziel, die Erderwärmung auf weniger als 2-Grad-Celsius - möglichst auf 1,5-Grad-Celsius - gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Sechs Jahre zuvor (Weltklimakonferenz Kopenhagen, 2009) war dies noch an den Interessen von mächtigen Großkonzernen aus dem Öl- und Energiegeschäft sowie an Interessen von Ländern, deren Staatshaushalte vom Export fossiler Energieträger abhängig ist, gescheitert.

 

 

Hintergrundwissen: Wissenschaft und soziale Verantwortung

Zwei Veröffentlichungen aus dem Jahre 2015 fassen das aktuelle Wissen zu den planetarischen Grenzen, der Klimawissenschaft, der Frage von Moral und Ethik und der sozialen Frage aus vielfältiger Perspektive zusammen:

  • Selbstverbrennung von Hans Joachim Schellnhuber [1]
  • Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus [2]

Sie analysieren tiefgehend die aktuelle Lage, wie es dazu kommen konnte und zeigen grundsätzliche Lösungsansätze.


Die beiden Werke, im Zusammenhang gelesen, geben Orientierung in unserer heutigen Welt des Umbruchs. Sie zeigen die Grenzen auf, die uns Menschen

  • durch die Natur und
  • durch die Werte, auf denen unsere Gesellschaften beruhen,

gegeben sind. Wie schon Kant feststellte ist der Mensch frei und kann sich deshalb auch für das Böse entscheiden. Für die Debatte in unserer Demokratie ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, diese Grenzen zu kennen und zu respektieren. Dies macht den Unterschied, ob wir uns als Gesellschaft für eine gute oder eine schlechte Zukunft entscheiden.

Wir stehen an der Schwelle zur Zivilisationsstufe der Nachhaltigkeit. Wir erleben den Beginn einer neuen großen Umwälzung (große Transformation). Die Dimension und Bedeutung dieses Umbruchs wird in o.g. Literatur aus Sicht von Zivilisationsgeschichte, Klimageschichte und dem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Energie für die Menschheit deutlich. Schellnhuber sieht dies in einer Reihe mit den beiden großen Transformationen in der Zivilisationsgeschichte der Menschheit:

  • erste große Transformation; die neolithischen Revolution vor etwa 11000 bis 6000 Jahren:
    Der Übergang zur sesshaften Agrargesellschaft mit Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung.
  • zweite große Transformation; industrielle Revolution von etwa 1750 bis 2000):
    Mit der Erfindung einer verbesserten Dampfmaschine (James Watt, 1769) und weiteren Erfindungen, die zur Integration von Spinn-, Web- und Dampfmaschinen (etwa 1780) führten, begann die zweite große Transformation der Menschheit - der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Zusammen mit der Französischen Revolution veränderte dies die Lebensverhältnisse der Menschen bis in unsere Gegenwart.

Die Entwicklung seit 1780 verlief in mehreren langen Wachstums- und Innovationszyklen die jeweils von einigen bahnbrechenden Erfindungen ermöglicht wurden [3]

  • Dampfmaschine, Baumwolle, Stahl und Eisenbahn
  • Elektrizität, Chemie und Verbrennungsmotor
  • Elektronik, Petrochemie, Flugzeug und Raumfahrt
  • Informations- Bio- und Nanotechnologie

Ernst Ulrich von Weizsäcker sieht in der weltweiten Einsicht, dass der Trend zur "grünen Technik" unumkehrbar ist beziehungsweise im zwingenden Bedarf für den ökologischen Umbau die Chance für einen neuen Innovations- und Wachstumszyklus. Laut Weizsäcker könnte dieser Zyklus von aktuellen Themen und Erfindungen wie Erneuerbaren Energien, Nachhaltigkeit, radikale Erhöhung der Ressourcenproduktivität, Systemdesign und Bionik (die Natur als Modell, Maß und Lehrmeister technologischer Innovation) geprägt sein. [3]

Man mag darüber debattieren ob Weizsäckers Beschreibung eines Lösungswegs verhältnismäßig einfach oder außerordentlich schwierig umsetzbar ist. Sicher erfordert dieser Weg großes Engagement aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Kapitalgebern und Wirtschaft. Eines aber ist gewiss: solch ein Lösungsweg, die Chancen zu ergreifen die im unvermeidlichen Wandel liegen, ist allen rückwärtsgewandten "Alternativen" aber auch revolutionären, destruktiven Ansätzen (Naomi Klein [6]) vorzuziehen.