Kernfragen unserer Zeit

Ökologische Fragen, Wirtschaft, soziale Fragen

Wir suchen nach Antworten zu den großen Fragen unserer Zeit.

 

Zunächst führt dies zu der Frage, was verstehen wir unter „große Fragen unserer Zeit“? Es ist ganz natürlich, dass unterschiedliche Menschen jeweils andere Fragen als wichtig empfinden und der Katalog an ungelösten Fragen, Problemen und Krisen ist groß und scheint beständig zu wachsen.

Kriterien, um eine überschaubare Menge von Kernfragen aus dem vielfältigen Problemkatalog unserer Zeit herauszuheben ist unserer Erachtens, dass eine Kernfrage

  • zu außerordentlichen Krisen führt, sollte es zu keiner Lösung kommen
  • denkbare Lösungen zu großen Veränderungen führen.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sehen wir folgende Kernfragen:

  • Klimawandel [1][8]
  • Ressourcenverknappung [2][8]
  • weitere Überschreitungen der planetarischen Grenzen [3][8]
  • Zwang zum Wirtschaftswachstum [4][8]
  • Arbeit / Arbeitslosigkeit [5][8]
  • Gerechtigkeit [6][7][8]
  • Werte [8]

Die ersten drei Themen kann man unter ökologische Fragen zusammenfassen. Wie können wir die zunehmende Zerstörung der Ökosysteme stoppen und zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen? 

Mit dem Zwang zu Wirtschaftswachstum stecken wir in einem Dilemma. Kann es unendliches Wachstum auf unserem Planeten geben, dessen Ökosystem uns Grenzen aufzeigt und der nur endliche Ressourcen bereitstellt. Und wenn nicht, gibt es eine Konzept zu einer Wirtschaft ohne Wachstum, ohne dass ein Übergang dazu gravierende Krisen auslöst?

Die Themen Arbeit und Gerechtigkeit kann man unter soziale Fragen einordnen. Seit Reagan und Thatcher den bis heute ungebrochenen und unter Neoliberalismus bekannten Trend als herrschende Doktrin durchgesetzt haben, stieg der Anteil der reichsten 0,1% der Haushalte am Gesamtvermögen von 7% (1977) auf 22% während der Anteil der unteren 90% der Haushalte von 36% (1985) auf 23% fiel. Die Mittelschicht, die nach dem zweiten Weltkrieg in den westlichen Ländern entstand und die Rendite von Demokratie und technologischem Fortschritt in Form von zunehmendem Wohlstand einfuhr, schrumpft und muss Verluste an Wohlstand in Kauf nehmen. Dies ist keine gute Voraussetzung für sozialen Frieden und politische Stabilität.[12][13]

Welche weiteren Herausforderungen kommen auf unsere Gesellschaften zu wenn Digitalisierung, Algorithmen, Automatisierung (Industrie 4.0), Robotertechnologie (Robots, Cobots) und der Freihandel (Globalisierung) weiter voranschreiten und an Tempo gewinnen. Die absehbaren Folgen sind einerseits, dass deutlich mehr Arbeitsplätze vernichten werden als neue entstehen. Andererseits wird die Spaltung derer noch schneller vorangetrieben, die noch Arbeit finden: in immer weniger Menschen, die eine gut bezahlte Arbeit finden und noch mehr Menschen, die sich zukünftig mit kargem Einkommen zu begnügen haben. Neu in der Debatte ist seit 2016, dass führende Wirtschaftslenker wie z. Bsp. der Siemens Chef Joe Kaeser mittlerweile über ein (bedingungsloses) Grundeinkommen diskutieren.[15]

Schließlich stellt sich die Frage, ob die Besinnung auf unsere Werte, konkreter auf die universalen Werte die uns Menschen verbinden, nicht die entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass alle anderen Kernfragen dauerhaft, fair und global gelöst werden können.

Denkt man tiefer über diese Themen nach, so stellt man fest, dass es zwischen ihnen Zusammenhänge gibt wie auch das Ökosystem unserer Erde in sich verwoben ist und alles mit allem zusammenwirkt. Wir selbst stehen der Umweltbewegung nahe und haben in den letzten 25 Jahren gelernt, dass stabile Lösungen für ökologische Fragen oft nicht ohne Betrachtung der wirtschaftlichen und sozialen Fragen vernünftig umgesetzt werden können.

Das Thema "Flüchtlingskrise" haben wir zunächst nicht als Kernfrage klassifiziert, obwohl das Thema Migration bereits heute große Ausmaße angenommen hat und noch weiter zunehmen wird. Die Gründe für Migration (Fluchtursachen) sind vielfältig, können aber unseres Erachtens meist direkt oder indirekt und zu einem erheblichen Teil auf oben genannte Kernfragen zurückgeführt werden. Als Beispiel sei der Zusammenhang von unserem Lebensstil, Klimawandel, Folgen des Klimawandel (unter anderem Dürren, Überschwemmungen) genannt, die zumindest indirekt zur Migration erheblich beitragen. Am Beispiel Syrien kann man gut erkennen, wie Klimafolgen und politische Tatenlosigkeit den Nährboden für Krieg und Flucht bereiten[9]. Neue Forschungen versuchen herauszufinden, wo die Verwundbarkeit für ähnlich schlimme Leiden, Konflikte und in der Folge Migration besonders groß ist. Dabei spielt eine angepasste, robuste (resiliente) Landwirtschaft eine Schlüsselrolle[10]. Wer Fluchtursachen "bekämpfen" will, der muss auf allen Ebenen des Prozesses einwirken: Klimaschutz, Unterstützung von Länder und Regionen die besonders bedroht sind, humanitäre Hilfe und schließlich die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge, die bei uns Asyl erhalten. Je später man mit den vorbeugenden Maßnahmen und mit Notmaßnahmen beginnt, desto höher ist der Aufwand, um die Probleme, die sich auf allen Ebenen angestaut haben, zu lösen.

 

Wir haben die Themen Klima und Ressourcen näher analysiert. Darauf aufbauend finden Sie auf der Seite Klimawandel und Ressourcenverknappung eine Betrachtung dieser beiden Themen im Zusammenhang. Dabei zitieren wir Skizzen einer Zukunft, die uns im schlimmsten Fall bei einem "weiter so" bevorstehen könnte sowie einen für uns plausiblen Lösungsweg. Ergebnisse sind dabei:

  • bei realistischen Lösungswegen sind Erneuerbare Energien stets ein wichtiger Teil der Lösung
  • betrachtet man Klimawandel und Ressourcenverknappung im Zusammenhang, ergeben sich für die Konstruktion von Erneuerbaren-Energien-Anlagen wichtige Anforderungen, sollen sie die unendlich von der Natur dargebotene Energie den Menschen auch für unendliche Zeit zur Verfügung stellen. Diese Fragen sind zwar kurzfristig noch nicht entscheidend um die nicht mehr tragfähigen Alternativen von fossilen Energierohstoffen und Kernkraft zu ersetzen. Sie sollten aber von vorneherein mit betrachtet werden um den Ausbau der Erneuerbaren gleich im ersten Schritt richtig anzugehen.

Weiterhin haben wir das große Thema Werte näher betrachtet. In der heutigen Zeit, in der Werbung und Rechtspopulismus versuchen den Wertebegriff zu kapern um ihre Interessen durchzusetzen, ist es - leider wieder - unerlässlich, die eigene Urteilsfähigkeit in Bezug auf Werte kritisch selbst zu hinterfragen, seinen eigenen Standpunkt zu festigen und dadurch die Angriffe gegen unsere positiven Werte, die eine herausragende Errungenschaft unserer Geschichte sind, zurückzuweisen.

In unserer Sprache scheint ein klarer Begriff für negative Werte ("Anti-Werte") zu fehlen. Zum Teil wird diese Polarität an Begriffen wie "Tugenden" versus "Laster" deutlich. Im Kern geht es um die uralte und hochaktuelle Unterscheidung von Gut und Böse. Unter dem Schutz der Meinungsfreiheit und Toleranz fehlt es in der öffentlichen Debatte oft an solcher Klarheit, das zu benennen, was uns zurück in das dunkelste Kapitel unserer Geschichte führt.

Freiheit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe sind Werte für es sich einzusetzen lohnt. Abgrenzung, Rassismus, Gewalt, Hass sind "Anti-Werte", die in Richtung des Abgrunds zeigen.