Rebound-Effekt

Ernst Ullrich von Weizsäcker erläutert gerne in seinen Vorträgen die Anekdote, wie er sich jahrelang gemüht habe den Menschen

  • das Paradoxon zu erklären, dass in der Vergangenheit Effizienzgewinne in der Regel zu nichts anderem geführt haben als zu verstärktem Wachstum. Die Wissenschaft kennt dies unter den Begriffen "Rebound-Effekt", "Jevons-Paradox", Khazzoom-Brookes-Postulat" oder auch auf Deutsch "Bumerangeffekt"
  • Wege aufzuzeigen, wie man diesen Rebound-Effekt mit den Mitteln der Politik und mit Ethik überwinden kann.

Seine Frau, Christine von Weizsäcker, habe ihm dann vorgeschlagen das Ganze in ein Wort zu fassen und  "Entgierung" zu nennen.

 

Das Problem (Rebound-Effekt)

Technischer Fortschritt und Effizienzgewinne bringen höheren Wohlstand, was die Menschen dazu veranlasst viel mehr zu verbrauchen, als durch die Effizienzgewinne realisiert wurde. Anstatt Einsparung und Entlastung der Umwelt findet Wirtschaftswachstum mit steigender Umweltbelastung statt. Dieser Effekt lässt sich in vielen Industrien beobachten. Letztlich lässt sich feststellen, dass dieses Verhalten keineswegs neu ist, sondern ein Wesenszug menschlicher Zivilisation von Anfang an zu sein scheint. [1]

 

Überwindung Rebound-Effekt

Weizsäcker schlägt zur Überwindung des Rebound-Effekts drei Maßnahmen vor [1]:

  • den Ressourcenverbrauch in kleinen Schritten immer weiter so zu verteuern, dass es keine Wohlstandsverluste gibt (Steuer)
  • die Balance von Staat und Markt wiederzuerlangen, denn freie Märkte können ohne klare Rahmenbedingungen den Wandel zu einer ressourceneffizienten und nachhaltigen Wirtschaft nicht herbeiführen
  • Kulturwandel in allen Gesellschaften. Maßlosigkeit und Gier sind auf Dauer kein Leitwert für eine stabile und überlebensfähige Gesellschaft. Die Tugend der Genügsamkeit muss wiederentdeckt werden.

 Den Ansatz, die Preise für Ressourcen die ökologische Wahrheit sagen zu lassen, ist unter Begriffen wie

  • Langfrist-Ökosteuer[1]
  • CO2-Steuer
  • Ressourcensteuer[2]

seit einigen Jahren in der politischen Debatte zu finden - ohne dass sich die Politik bisher zu wirksamen Maßnahmen durchringen konnte. Im Januar 2016 musste nun ein 1-Jahr andauernder, starker Preisverfall bei Ressourcen festgestellt werden - was zu Besorgnis in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik führt.

Weizsäcker nahm dies zum Anlass, erneut davor zu warnen, dass es künftig wieder "böse Preissprünge nach oben" geben könnte und fordert die Einführung einer „sanft ansteigende Ressourcensteuer, um die langfristige Knappheit und die Schäden sichtbar zu machen“. Dies erspare „unserer ressourcenabhängigen Wirtschaft“ die durch Preissprünge drohenden Schocks und setze die nötigen Anreize für eine effizientere Nutzung der Rohstoffe.[2]

 

Um die Politik endlich dazu zu motivieren, den so wichtigen, ersten Schritt zu einer Ressourcensteuer bzw. Ökosteuer für Kohle und Öl zu gehen, nennen Weizsäcker und Klaus Töpfer auch Möglichkeiten, die zusätzlichen Einnahmen für die Senkung anderer Steuern oder für die Integration von Flüchtlingen zu nutzen - wohl wissend, dass die Einnahmen direkt in Innovationen zur Verbesserung der Ressourceneffizienz fließen müssen, wenn man ganz praktisch die Ziele von Klimaschutz und Nachhaltigkeit erreichen will (siehe auch "CO2-Steuer - Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen").