Effizienz

© C. Nöhren / pixelio.de
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Die weltweite Ressourcenproduktivität lässt sich um mindestens 75 bis 80 Prozent steigern. Es lässt sich also fünfmal so viel Wohlstand aus einer Kilowattstunde oder aus einer Tonne Kupfererz, oder einem Kubikmeter Wasser herausholen wie heute. Das zeigt Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinen Vorträgen und in seinem Buch "Faktor 5" anhand praktischer Beispiele quer über wichtige Industrien. "Zum Beispiel verbrauche ein Passivhaus bei hohem Wohnkomfort, guter Lüftung und Temperatur nur 1/8 bis 1/10 der Energie, die ein normaler Altbau nötig hat." sagte Weizsäcker im Jahr 2010[1]. Heute reden wir nicht mehr nur über Niedrigenergie- und Passivhäuser. Es gibt bereits Plusenergiehäuser - also Häuser die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen.[3]

Wie auch andere Autoren sieht Weizsäcker das Risiko des Rebound-Effekt. Dieser wird oft auch von Wachstumskritikern ins Feld geführt, um zu argumentieren, dass Effizienz zwar gut sei, die Probleme unserer Zeit aber nicht lösen könne. Dabei geht es um das Paradoxon, dass Effizienzgewinne aufgrund von übersteigertem Konsum der Verbraucher mehr als ausgeglichen würden. Die Konsumenten hätten aufgrund der Effizienzgewinne mehr Geld in der Tasche, das sie - so die Annahme des ökonomischen Denkens - sofort und gesteigert in zusätzlichen Konsum umsetzen.[1][2]

Weizsäcker bleibt aber nicht bei der Analyse und dieser Kritik stehen. Er schlägt eine elegante Lösungen vor, wie die Politik ohne signifikante Mehrbelastung von Verbrauchern und der Wirtschaft solch einer Verschwendung von Effizienzgewinnen vorbeugen kann und gleichzeitig der Wirtschaft Mittel bereitstellt, um die notwendigen Innovationen durch Forschung und Entwicklung in Gang zu setzen. Würde sich die Politik dazu entschließen, solch eine Konzept umzusetzen, kann der Quantensprung um den Faktor 5 bei der Ressourcenproduktivität tatsächlich erreicht werden.[1] Mehr dazu:

Nun muss man davor warnen, sich die Prozesse und Anstrengungen zu einfach vorzustellen um diese Potenzial von etwa 80% an Effizienzgewinnen über alle Industrien hinweg zu erschließen. Das ist es ganz sicher nicht. Das größte Vertrauen haben wir dabei in die Fähigkeiten und Kreativität  unserer Fachleute - von Forschern über unsere Ingenieure bis zu unseren Meistern und Facharbeitern. Dass wir in Deutschland eine lange Tradition haben, das Machbare auch technisch optimal zu lösen, ist oft genug bewiesen worden. Der Ansatz braucht aber insbesondere auch die konsequente Unterstützung von Politik und Wirtschaft - und hier ist mit großen Beharrungskräften und Widerständen zu rechnen, wie die Beispiele der - heute muss man fast sagen - ehemaligen große 4 Energieversorger Deutschlands zeigen. Ob die deutsche Automobilindustrie sich ähnlich zukunftsscheu verhält oder ob sie nach dem Abgasskandal aufgewacht ist und den Vorsprung der Konkurrenz bei E-Mobilität nun einholen wird, ist ein spannendes Thema in der näheren Zukunft.

Entscheiden ist, dass Gesellschaft und Politik den Wandel wollen, vorantreiben und die Politik wieder stark genug sein wird, um klare Rahmenbedingungen für solch eine Entwicklung zu schaffen. Klar ist, die unsichtbare Hand des Marktes ist zu solch einem Wandel nicht alleine fähig.

 

Effizienz aus dem Blickwinkel von Ressourcen

Aus der Perspektive der weltweit schwindenden Ressourcen ist es sinnvoll, Maßnahmen grundsätzlich und strukturiert vorzuschlagen wie Ugo Bardi dies in seinem Buch "Der geplünderte Planet" tut. Zu Anpassung und Effizienz formuliert er: "Unter Anpassung an Ressourcenknappheit versteht man heute normalerweise eine Kombination von Verbesserungen bei Effizienz, Technologie und Management mit dem Ziel, die gleichen Ergebnisse wie derzeit zu erreichen, wenn auch mit höherem Aufwand ..."[2]

Es scheint uns interessant, die verschiedenen Blickwinkel wahrzunehmen. Weizsäckers Ansatz bietet einen erheblichen Zeitaufschub, um die Wachstumsgrenzen unseres Planeten nicht weiterhin und noch stärker zu überschreiten und damit Krisen in nie gekanntem Ausmaß loszutreten. In Bezug auf Effizienz und einen erreichbaren Quantensprung in der Ressourcenproduktivität verstehen wir Weizsäckers Vorschlag als einen wohlbegründeten, strategischen Ansatz, in dem Wissenschaft und Technik, Politik und Wirtschaft einen großen Wandel koordiniert durchführen.

Das Konzept von Bardi ergänzt dies unseres Erachtens sehr gut zum Thema Ressourcen. Bei Weizsäcker ist Substitution ein Mittel um die Ressourcenproduktivität zu verbessern. Recycling ist ebenfalls von hoher Bedeutung um eine nachhaltiges Wirtschaften zu erreichen und den durch Effizienz erreichbaren Zeitaufschub nicht sinnlos zu vergeuden. Ergänzend sind die kritischen Fragen von Bardi sehr hilfreich um zu verstehen, dass alle Zusammenhänge bei der Umsetzung von Effizienzideen zu beachten sind: wir müssen verhüten bei Effizienz einen Schritt nach vorne zu machen der uns zugleich zwei Schritte zurückwirft. Beispiele:

  • Maßnahmen sind im zeitlichen Zusammenhang zu bewerten: legt man sich mit einer Maßnahme (z. Bsp. Ersatz eines alten ineffizienten Kohlekraftwerks durch ein Gaskraftwerk) für einige Jahrzehnte fest, so kann die kurzfristige Lösung andere, effizientere Lösungen (direkte Umstellung auf Erneuerbare) über Jahrzehnte hinweg blockieren.
  • Maßnahmen sind im Zusammenhang von Materialien, Recycling und Entsorgung zu betrachten: bei der Verbesserung von Energieeffizienz durch Ersatz von Glühbirnen mit Energiesparlampen ohne Beachtung der dann neu zu verwendenden Materialien und deren Recycling oder Entsorgung werden neue Probleme geschaffen (bei Energiesparlampen das Umwelt- und Entsorgungsproblem des hochgiftigen Quecksilber), obwohl bereits bessere Lösungen (LED) denkbar waren.