Neue Entwicklungen bei der Solarenergie

4 neue Entwicklungen Photovoltaik: steckdosenfertige Solarmodule, Solarziegel / Solardächer, Solarmodul ohne Lichtreflexionen und mieten von PV-Anlagen

Neue Entwicklungen bei der Solarenergie

Steckdosenfertige Solarmodule

Schon zu Anfang dieses Jahrzehnts wurde der Einsatz von Steckdosen-Photovoltaik-Modulen diskutiert. Aber erst in den letzten zwei Jahren kam dann diese neue Form der "Balkon-PV-Anlagen" richtig in die Umsetzung. Hinderlich waren dafür aber noch die fehlenden Normen des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) und der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE). Kürzlich wurde die Neuregelung der technisch überholten Norm VDE 0100-551 abgeschlossen und macht die Nutzung von solchen Mini-Solaranlagen nun erheblich einfacher (Neue Norm: VDE 0100-551-1:2016-09).

 

Auch wenn noch offiziell geklärt werden muss, ob solche Module künftig spezielle Einspeisesteckdosen benötigen oder einfach per Schutzkontakt-Stecker (Schuko-Stecker) an das häusliche Stromnetz angeschlossen werden können, ist das bereits vielfache Praxis. "Wenn das Solargerät den von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) genannten Sicherheitsstandard erfüllt, reicht eine Schuko-Steckdose völlig aus", so Marcus Vietzke, Koordinator der DGS-Arbeitsgruppe zu Stecker-PV, "da moderne Solar-Geräte über Wechselrichter verfügen, die denselben Schutz vor Stromschlag oder ähnlichen Gefahren bieten wie andere Hausgeräte."

In europäischen Staaten wie der Schweiz, Portugal und Österreich ist die Nutzung von Stecker-Solargeräten schon länger unkompliziert möglich -- und erfolgt bei rund 200.000 Geräten problemlos. In Deutschland sollen geschätzt bereits 20.000 davon im Einsatz sein. (1)

 

Damit ergibt sich nicht nur für den Eigenheimbesitzer, sondern auch für Mieter von Häusern und Wohnungen (letztere auch ohne Dachzugang z.B. auf ihrem Balkon) die Möglichkeit, mit solchen Mini-Solaranlagen selbst Solarstrom zu produzieren und damit auch ihre Stromrechnung zu reduzieren. Diese Mini-Solaranlagen kosten nur wenige hundert Euro und können auch mit Stromspeichern (z.B. Lithium-Ionen-Akkus je nach Größe ab ca. 1.500 Euro) verbunden werden, um auch in sonnenarmen Stunden Solarstrom zur Verfügung zu haben.

Im pv-magazin 01/2018 ist eine von der Redaktion erarbeitete neue Marktübersicht zu Stecker-Solar-Geräten zu finden, in der sieben Anbieter und 15 Module vorgestellt werden, aus denen Interessenten wählen können. (https://www.pv-magazine.de/themen/kleinmodule/)

Bezugsquellen (Beispiele):

  • Solar-Info-Zentrum SIZ GmbH, Neustadt/Weinstraße - Lachen-Speyerdorf
    (www.s-i-z.de)

 

 

Solarziegel und Solardächer

Eine neuere Entwicklung sind auch Solarziegel und Indach-Solarlösungen (statt Aufdachmontage von Solarmodulen). Sie sind bisher entweder für Solarstrom oder für Solarwärme konzipiert und bereits auf dem Markt erhältlich. Durch die Kombination von Dacheindeckung und Energiegewinnung lassen sich wirtschaftliche Vorteile erzielen. Einerseits erhöht sich der Wert der Immobilie, andererseits amortisiert sich die etwas teurere Dacheindeckung mit Solarziegeln durch die Energiegewinnung. Die Anschaffungs-kosten sollen sich auf dem Niveau eines herkömmlichen Qualitätsdaches bewegen -- so der dänische Hersteller Ennogie GmbH, der den Vertrieb der Solardächer jetzt auch in Deutschland gestartet hat. (https://ennogie.com/de/)

 

Der Kölner Energieversorger Rheinenergie hat jetzt die Patente des Kölner Ingenieurbüros "paXos" für eine innovative Solardachpfanne mit Kombination von Strom- und Wärmeerzeugung erworben ubnd soll ein Joint-Venture mit dem Ingenieurbüro planen. Auf der Grundlage einer Konzeptstudie hat der Autozulieferer Continental einen Prototypen angefertigt, der auf der Branchemesse E-World erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Innovation bietet unter anderem eine deutlich höhere Energie-ernte als herkömmliche Lösungen. Die Wafer werden durch die integrierte Solarthermie gekühlt, das ermöglicht insbesondere im Hochsommer eine deutlich höhere Energiegewinnung und verlängert zudem die Lebensdauer der Wafer.

Pro Qudratmeter Dachfläche erlaubt die Lösung eine Wärmeernte von 300 Watt und eine Stromernte von 144 Watt. Die Produktion soll im Laufe des Jahres 2019 starten. (2)

 

Auch die Firma SolteQ Europe GmbH bietet im Rahmen ihrer Solardächer entsprechende Solardachziegel Quad40 an. Diese SolteQ-Solardächer kombinieren drei grundsätzliche Funktionen:

  1. Eine wetterfeste und regensichere Dacheindeckung
  2. Photovoltaik
  3. Solarthermie.

So wird die thermische Wärmeenergie unter den Solardachschindeln (unter anderem auch Biberschwanz-PV-Dachschindeln) auch noch genutzt und so zusätzlich zur Stromgewinnung auch Wärme für die Heizung gewonnen. (www.Das-Solardach.eu)

 

 

 

Neues Solarmodul ohne Lichtreflexionen

Das neue POWER Deflect Modul ist mit einem nichtreflexierenden Solarglas verarbeitet. Das ist vor allem wichtig für Orte, wo keine blendenden Sonnenstrahl-Reflexionen zurückgeworfen werden dürfen, wie z.B. bei Flughäfen sowie Straßen und Wohnsiedlungen, wo das den Verkehr und andere Nachbarn blenden kann. Schon mancher Besitzer einer Dach-Solaranlage hat durch Rechtsstreitigkeiten mit Nachbarn wegen der Blendwirkung seiner Solaranlage sie ganz oder teilweise stilllegen müssen. Dank Einsatz des speziellen Deflect-Glases können sogar die strengen EASA-Spezifikationen (European Aviation Safety Agency) eingehalten werden -- so eine Pressemeldung von der KIOTO SOLAR in 2018. (3)

 

 

Pachten bzw. mieten von Photovoltaik-Anlagen

Als Alternative zum Kauf einer PV-Anlage bietet es sich an, sie zu pachten. Inzwischen wird diese Variante von etlichen Unternehmen bundesweit angeboten. Doch ob sich das wirtschaftlich rechnet, muss jeder private Hausbesitzer genau durchrechnen. Dabei helfen auch Verbraucherzentralen, die den Interessenten genau aufzeigen können, ob sich ein (in der Regel langfristiger) Pachtvertrag im individuellen Fall wirtschaftlich lohnt.

Ist man z.B. nach dem Kauf oder Bau eines Hauses finanziell besonders "klamm" und will sich die zusätzliche Investition in eine Photovoltaikanlage sparen, kann die Pacht eine überlegenswerte Alternative sein. Andererseits bindet man sich mit dem Pachtvertrag über eine lange Zeit, der die Erträge aus der Solaranlage immer um die Pachtkosten mindert.

In der Regel rechnet sich aber beim Neubau einer privaten Immobilie die Investition in eine Photovoltaikanlage. Diese fällt im Rahmen der Gesamtinvestition nicht ins Gewicht (durchschnittliche Kosten für ein Eigenheim: 10.000 - 20.000 Euro inklusive Batteriespeicher). Der finanzielle Aufwand im Rahmen des hierfür benötigten (zusätzlichen) Darlehens wird durch die Ersparnisse aus nicht benötigtem Fremdstrom sowie der Einspeisevergütung kompensiert. Zudem kann man von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) sehr günstige Darlehen aus den Solar-Förderprogrammen des Bundes erhalten. Auch die Umweltbank AG oder die GLS Bank bieten attraktive Finanzierungsangebote für Photovoltaikanlagen an.

 

Ein ähnliches Modell ist das von der ezee Energy GmbH angebotene Mieten von PV-Anlagen. (4)