10 'Must-Knows' zum Klimawandel

Es ist notwendiger denn je, sich die entscheidenden Fakten zum Klimawandel bewusst zu machen

Während vom 6. bis zum 17.11.2017 in Bonn die 23. UN-Klimakonferenz tagte, schauten die Bundesbürger gebannt auf die - mittlerweile gescheiterten - "Jamaika-Sondierungsgespräche" zur Bildung einer neuen Bundesregierung. Klimaschutz war ein zentraler Streitpunkt bei den Verhandlungen, obwohl das Thema im Wahlkampf weitgehend totgeschwiegen worden war. Was viele Bürger dabei erschütterte, waren Argumente von einigen Politikern, die Klimaschutz in Deutschland verzögern oder relativieren wollten. Es gibt also nach wie vor auch in Parteien, die sich selbst in der politischen Mitte verorten, führende Köpfe, die die Bedeutung von Klimaschutz für das Gemeinwohl entweder nicht verstanden haben oder die Risiken, aus welchen Motiven auch immer, bewusst ignorieren. Beides, nicht-wissen oder nicht-wissen-wollen, ist fatal und inakzeptabel.

Am 13.11.2017 stellten in Bonn zwei der bekanntesten Klimaforscher der Welt – Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre und Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung – den Stand der Klimawissenschaft runtergekürzt auf zehn Fakten vor. Der Text ist in der vorsichtigen Sprache der Wissenschaftler gehalten. Jedem soll und muss dabei klar werden, dass es um Millionen Menschenleben --  vielleicht sogar Milliarden Menschenleben geht:

  • Gefahr um Leib und Leben durch Anstieg des Meeresspiegels und der Zunahme von Extremwetter
  • Zunahme von Infektionskrankheiten
  • Überschreitung von Klimakipppunkten (Folge: Klimasystem würde mit unvorhersehbaren Folgen außer Kontrolle geraten)
  • Zunahme von Migration.

Vor diesem Hintergrund ist das Taktieren und Lavieren von Politikern völlig unangemessen. Sie verspielen und vertändeln wertvollste Zeit. Nun ist entschiedenes Handeln auf allen Ebenen  gefragt.

Wer sich selbst eine Gefühl zu der verbleibenden Zeit verschaffen will, kann die interaktive CO2-Uhr auf der Mercator-Seite (siehe Link unten) dazu nutzen. Für den Fall eines "weiter-so" (Annahme: jährliche Emissionen verharren auf dem Niveau von 2014) wird die Zeit angezeigt, bis das CO2-Budget für das in Paris vereinbarte 1,5° Ziel bzw. das 2° Ziel aufgebraucht ist. Wer in der Lage ist ein Fahrzeug zu führen, weiß was zu tun ist: bremsen! Rockström und Schellnhuber nennen dafür die einfache Faustregel:

 

                             Die globalen Emissionen müssen nun alle zehn Jahre halbiert werden.

 

Wir können nicht erkennen, dass die Politik in Deutschland bereits so weit ist, diese Vorgabe der Natur konsequent umzusetzen. China, die USA und die EU sind weltweit die drei größten Verursacher von Treibhausgasemissionen. Deutschland ist innerhalb der EU der größte Emittent und belegt global den unrühmlichen sechsten Platz. Wir können vor dieser Verantwortung weder weglaufen, noch sie delegieren noch uns freikaufen. Wohl aber können wir die Chancen in Gesellschaft und Wirtschaft nutzen, die diese von der Natur vorgegebene Transformation bietet.

 

Zusammenfassung der 10 wissenschaftlichen 'Must-Knows' zum Klimawandel

1. Vieles deutet darauf hin, dass der Planet in eine neue geologische Epoche eingetreten ist - das Anthropozän. Die Veränderungsrate des Erdsystems beschleunigt sich als Folge der Auswirkungen des Menschen auf die Biologie, Chemie und Physik des Planeten. Das Klima der Erde ist seit dem Beginn der Zivilisation bemerkenswert stabil. Diese Stabilität ist gefährdet.

 

2. Die Erde nähert sich kritischen "Kipppunkten". Durch die Überschreitung dieser Schwellenwerte könnte der Planet plötzliche und möglicherweise irreversible Veränderungen in der Arktis, im Amazonasgebiet und in anderen Teilen der Welt sehen.

 

3. Die rekordbrechende Atlantik-Hurrikansaison 2017 gibt einen Einblick in die erhöhten Risiken von Extremwetterereignissen, die der Planet in der Zukunft erleben könnte. Zu diesen Ereignissen gehören schwere Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren.

 

4. Veränderungen im Ozean treten schnell auf, mit zunehmendem Meeresspiegelanstieg und Ozeanversauerung.

 

5. Die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels sind bereits spürbar, und einige der ärmsten Länder der Welt tragen die schwerste Last.

 

6. Der Klimawandel wird sich tiefgreifend auf die menschliche Gesundheit auswirken, indem er in der ganzen Welt neuen Druck auf die Nahrungsmittel- und Wassersicherheit ausübt.

 

7. Der Klimawandel wird wahrscheinlich Migration, Unruhen und sogar Konflikte verschärfen. Im Jahr 2015 waren weltweit mehr als 19 Millionen Menschen von Naturkatastrophen und extremen Wetterereignissen betroffen, und der Klimawandel wird wahrscheinlich dazu führen, dass diese Zahl wächst.

 

8. Die Welt muss schnell handeln: Wenn die Menschen weiterhin Treibhausgase in den aktuellen Mengen ausstoßen, wird das verbleibende Kohlenstoffbudget zur Reduzierung des Risikos, das Ziel von 2 Grad Celsius zu überschreiten, in etwa 20 Jahren erschöpft sein. Die Emissionen sollten ihren Höhepunkt bis 2020 erreichen und gegen 2050 Null erreichen, wenn es der Welt ernst ist, die Risiken zu verringern. Als einfache Faustregel bedeutet dies, dass die globalen Emissionen alle zehn Jahre halbiert werden müssen.

 

9. Eine fossilfreie Gesellschaft ist wirtschaftlich attraktiv: Erneuerbare Energien konkurrieren zunehmend mit fossilen Brennstoffen, auch wenn diese auf historischen Kostentiefstständen notieren. Darüber hinaus liegen die geschätzten Kosten des Nichthandelns zwischen 2 und 10% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2100, nach anderen Schätzungen geht die globale Produktion bis zum Jahr 2100 um 23% zurück.

 

10. Selbst wenn die Welt die Ziele des Übereinkommens von Paris erfüllt, müssen Gemeinschaften auf der ganzen Welt weiterhin Fähigkeiten entwickeln, externe Störungen zu bewältigen (= Resilienz aufbauen) und sich an die bereits eingeleiteten Veränderungen anpassen.

 

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Bild 1: pixaby.com, Creative Commons CC0

Bild 2: Screenshot Mercator Research Website 2017