Wider alle Vernunft

Schellnhuber: Einschätzung zu den Folgen der Trump-Wahl und der roten Linien im Erdsystem

Grundsätzlich stellen wir uns die Frage, welche Ursachen der aktuelle Sturm hat, der unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt - und konsequent weiter gedacht - vielleicht gar den Frieden in unseren westlichen Ländern bedroht. Sicher ist dies tiefgründiger als nur das sinnfreie Argument von Leuten, denen es eigentlich gut geht und die es bei der nächsten Wahl denen da oben eben mal zeigen wollen. Wie auch immer. Unseres Erachtens liegt der Schlüssel um dieser Gefahr zu begegnen insbesondere auch in jedem selbst: sein Selbstbewusstsein für Werte und Moral selbstkritisch zu überprüfen, seinen Standpunkt gegen die Rechtspopulisten zu stärken und für Freiheit, Frieden und Demokratie in Europa einzutreten.

mehr: Werte und Moral

 

Vielleicht ist der Amtsantritt von Trump nun ein Weckruf für alle, die die Bedrohung noch nicht erkannt haben und vielleicht eint dies alle vernünftigen Demokraten unsere Grundwerte zu verteidigen. Dazu passt die Analyse von Hans-Joachim Schellnhuber, der berichtet, dass die Bedrohung der Menschen durch den Klimawandel durch immer genauere Belege, insbesondere zu den Klima-Kipp-Punkten, wissenschaftlich fundiert belegt ist und wir nur noch wenig Zeit haben den Wandel zu schaffen. Auf die Frage, wie eine Populist wie Trump habe Präsident der USA werden können, nennt er zwei wesentliche Punkte

  • nach der Finanzkrise 2008/2009 entstanden in den USA breite gesellschaftliche Schichten, die den Glauben daran verloren hatten, jemals zur „Elite“ gehören zu können
  • die zweite große Zeitenwende wurde durch die digitale Revolution eingeleitet.

Die frustrierte untere Mittelschicht wende sich deshalb jenen autoritären Kräften zu, die versprechen, mit starker Hand die guten alten Zeiten wieder auferstehen zu lassen. "Wer nicht nach oben reichen kann, tritt nach unten, um festen Boden unter die Füße zu bekommen." Wenn Autokraten dies legitimieren, könne die Aggressionen und Frustrationen der „Wutbürger“ also auf die Schwächsten der Gesellschaft umgelenkt werden. Heute seien das oft die Flüchtlinge.  Die Allerschwächsten aber seien die kommenden Generationen – und damit rückt das Klimathema wieder in der Priorität ganz nach oben. Für die kommenden Generationen ist der Schutz des Klimas eine Frage der nackten Existenz. Aber der Reflex, der frustrierten Mittelschichten sei es heute, eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen und die Rücksichtnahme auf künftige Generationen einfach zu ignorieren. Dieses Denken sei inzwischen leider hoffähig geworden, stellt Schellnhuber fest. Und es brauchte Menschen wie Donald Trump, diesem Denken ein Gesicht zu geben. Das sei die große Tragik: "Wider alle Vernunft sind wir auf dem Weg zurück in ein vordemokratisches Politikverständnis, in dem sich jeder selbst der Nächste ist. Wir erleben also gerade den Lackmus-Test für unsere Zivilisation, die ich durch die Erderwärmung so bedroht sehe wie niemals zuvor" sagt Schellnhuber.

 

mehr: WP: Klimaforscher sind entsetzt über US-Präsident Donald Trump