Sicherheitsmängel bei AKWs in 5 EU Ländern

Sicherheitsmängel in Atomkraftwerken (Frankreich, Tschechien, Belgien, Finnland, Slowakei). In Frankreich drohen Stromausfälle im Winter.

Die französische Atomaufsicht ASN hat an insgesamt 58 Reaktoren Sicherheitsprüfungen angeordnet. Derzeit stehen in Frankreich 20 Reaktoren still. Stahlbehälter von Dampfgeneratoren weisen bei 18 Reaktoren einen überhöhten Kohlenstoffanteil auf was zum Sicherheitsrisiko werden kann. Weiterhin stellte die ASN fest, dass in der Spezialschmiede von Areva seit den 60er-Jahren bei der Dokumentation zu Bauteilen getrickst wurde. Hinzu kommen eine Reihe anderer Störfälle und gewöhnliche Wartungsarbeiten. Frankreichs Stromkonzern EDF muss damit rechnen, dass im Januar und Februar noch neun Kernkraftwerke vom Netz sind. Verschärft wird die Situation dadurch, dass Wasserkraftwerke niedrige Wasserstände melden und deshalb thermische Kraftwerke weniger Strom produzieren können oder gar ganz abgeschaltet wurden. Solar- und Windenergie sind in Frankreich nur rudimentär ausgebaut.

Wenn es im Winter kalt wird, könnte es also eng werden. Deutschland könnte dann beispielsweise ein Überangebot von Ökostrom, vor allem aus Wind, unterbringen oder auch kaum ausgelastete Gaskraftwerke hochfahren. Im Notfall ist in Frankreich ein Lieferstopp für Industrieanlagen, die Verringerung der Netzspannung und sogar die stundenweise Unterbrechung der Stromversorgung ganzer Stadtviertel möglich.

mehr: SZ.de (23.11.2016): Frankreich "Die Lage ist sehr beunruhigend"

 

Zugleich wurde nach Recherchen von SZ und WDR bekannt, dass in mindestens 18 aktiven Atomreaktoren in Tschechien, Belgien, Frankreich, Finnland und der Slowakei das Notkühlwasser - zum Teil bereits seit 1992 - auf bis zu 60 Grad Celsius vorgeheizt wird. Dadurch soll wohl das Risiko verringert werden, dass der stählerne Reaktordruckbehälter reißt, wenn er bei einem Störfall mit zu kaltem Wasser gekühlt wird. Die Folge eines solchen Bruchs könnte eine Kernschmelze sein. Der ehemalige Mitarbeiter der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und Atomsicherheitsexperte, Manfred Mertins, ist plädiert dafür, diese Reaktoren abzuschalten: "Aus sicherheitstechnischen Gesichtspunkten kann ich so eine Anlage nicht betreiben."

mehr: tagesschau.de (24.11.2016): Recherchen von WDR und SZ Rissige Reaktoren in Europa?