25 Jahre FÖREN

25 Jahre FÖREN - eine Erfolgsgeschichte von Pionieren

„Wenn ich mich an einer Strom-Windmühle beteilige, entsteht mein Strom, ohne dass Kohlendioxyd (CO2) und Schadstoffe oder gar Radioaktivität freigesetzt werden. Und ich muss mich nicht mehr als Umweltsünder fühlen, wenn ich ihn verwende“ – so geschrieben in der ersten Info-Broschüre des Idsteiner Vereins FÖREN (Förderkreis für regenerative Energien im Taunus e.V.) im Jahre 1990.

 

Auf dem Grundstück des biologisch-dynamisch wirtschaftenden Landwirtes Tobias Müller in Heidenrod-Zorn waren bereits Windmessungen von FÖREN durchgeführt worden, und hier sollte auch eine erste Windkraftanlage (WKA) im Taunus mit einer damals noch bescheidenen Leistung von 80 kW entstehen. Die Gründungsmitglieder wollten mit diesem Pilotprojekt nicht in erster Linie Profit erzielen, sondern sie wollten zeigen, dass Stromerzeugung auch im Binnenland umweltverträglich möglich ist.

 

Und echte Pioniere waren diese Gründer, denn seinerzeit konnten sich viele unter „regenerativen Energien“ noch nichts vorstellen und die Entwicklung der Energieerzeugungsanlagen aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne, Wasser und Biogas steckte noch in den Kinderschuhen.

 

Es gab auch viele Widerstände gegen eine grundlegende Energiewende, obwohl die Gefahren (Reaktorkatastrophe Tschernobyl 1986), die Belastungen (CO2-Problematik) und auch die Endlichkeit der konventionellen Brennstoffe bekannt waren. Auch die Diskussionen um eine Dezentralisierung der Energieerzeugung und -versorgung hatten gerade erst begonnen.

 

In Zusammenarbeit mit der Anfang der 90er Jahre vom Land Hessen neu gegründeten HESSEN-ENERGIE entstanden in der Folge die ersten Windparks Hessens in Ulrichstein (Vogelsberg) und am Diemelsee. In Heidenrod lehnte die Gemeindevertretung damals den Bau der Windkraftanlagen leider noch ab. Die Zeit war hierfür wohl noch nicht reif.

 

In diese Zeit fiel auch die Errichtung des ersten Windlehrpfades in Ulrichstein, entwickelt und gestaltet durch Jürgen Riebling, Dr. Herbert Porrmann und Josef Hartmann sowie Schülern des Gymnasiums Usingen.

 

Aber natürlich ging es den Aktiven nicht nur um Windkraftnutzung, sondern man hatte sich vorgenommen, sich eingehende Kenntnisse der vielfältigen Technologien zur dezentralen, schadstoffarmen und ressourcen-schonenden Erzeugung von Strom- und Wärme zu erarbeiten und durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit zu verbreiten sowie die Anwendung entsprechender Systeme zu fördern.

 

„Die zahlreichen Info-Veranstaltungen und Besichtigungen stießen immer wieder auf breites Interesse und wir konnten ein immer stärker wachsendes Bewusstsein und Zustimmung zur Energiewende wahrnehmen“, erinnert sich FÖREN-Vorsitzender Wilfried Walz.

 

„Besichtigungen von Photovoltaikanlagen, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Scheitholzvergaserkessel mit Solaranlage, Besichtigung des Wasserkraftwerkes Friedrichsegen/Lahn, aber auch so exotische Themen wie ökonomische und technologische Optimierung der Energiepflanzennutzung zur Herstellung von Strom und Brennstoffen waren auf der Agenda des Vereins“, so Walz weiter.

 

Im Jahr 2000 kam der erste große Durchbruch mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und führte zu einem regelrechten Boom beim Ausbau u.a. der Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen – so dass wir heute immerhin einen Anteil von 25,8 Prozent an regenerativ erzeugtem Strom haben. Gleichzeitig wurden die Gestehungskosten drastisch gesenkt, sodass es heutzutage jedem Hausbesitzer möglich ist, eine Photovoltaik-Anlage zur eigenen Stromversorgung zu vertretbaren Kosten auf seinem Eigenheim zu errichten.

 

Parallel zu diesen Erfolgen knüpfte FÖREN zur besseren Vernetzung auch Kontakte zu anderen Initiativen und Institutionen. So bestehen heute Verbindungen u.a. zum Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien des Rheingau-Taunus-Kreises (KEE), zum Bündnis Energiewende Wiesbaden Taunus (EWWT), zu ProWindkraft Niedernhausen, zur Genossenschaft SolarInvest Main-Taunus, zu entsprechenden Arbeitskreisen in Hünstetten, Waldems und Bad Camberg sowie zur Volkshochschule des Rheingau-Taunus-Kreises.

 

Auch beim Thema Kauf von Verteiler-Stromnetzen (der Mittel- und Niederspannungsebene) hat FÖREN sich im Bündnis „PRO Stromnetzkauf Idsteiner Land“ stark engagiert. Mit Presse-Informationen, Informations-veranstaltungen und einer informativen Website im Internet (www.stromnetzkauf.de) hat der Verein mit seinen Bündnispartnern für starke Impulse zur Wissensvermittlung bei diesem nicht einfachen Thema gesorgt. Heute ist das Ziel glücklicherweise erreicht: Die neun Kommunen Bad Camberg, Niedernhausen, Bad Schwalbach, Hünfelden, Heidenrod, Hünstetten, Aarbergen, Weilrod und Hohenstein haben zusammen mit der Süwag und deren Netztochter Syna die Verteilernetze in einer gemeinsamen Gesellschaft übernommen. Die Kommunen können jetzt ihre Interessen gegenüber den reinen Konzerninteressen der RWE-Tochter besser wahrnehmen und auch finanziell über die Konzessionsabgabe hinaus profitieren.

 

So blicken die Mitglieder des Vereins auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Gleichzeitig nehmen sie die Aufgaben der Zukunft ins Visier: An erster Stelle den Ausbau der Windkraft im Taunus. Denn ohne Windkraft wird die Energiewende nicht möglich sein. Es müssen also Kompromisse bei diesem umstrittenen Thema gefunden werden, um hier zu verträglichen Lösungen zu kommen, ohne dass die Ausbauziele verfehlt werden.

 

Auch im Bereich der Wärmenutzung und Energie-Einsparung sind noch große Anstrengungen erforderlich, um das Ziel der Energiewende zu erreichen. Es bleibt also noch viel zu tun – auch in organisatorischer Hinsicht: Wie wird man die ehrenamtliche Arbeit am effizientesten im Zeitalter des Internets und der Kampagnen-Netzwerke gestalten? Diese Fragen müssen in nächster Zeit beraten und beantwortet werden.


Bild: Fören.de