Willkommen bei FÖREN e.V.

Wir setzen uns seit mehr als 25 Jahren für die "rderung REgenerativer EnergieN" in unserer Region ein. So klein und bescheiden unser Beitrag auch sein mag: wir fühlen uns mit allen Menschen verbunden, die sich auf dem Weg zur Nachhaltigkeit befinden.

 

Bisher ging es dabei um den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Atomausstieg. Ab 2015 kam in Deutschland bereits jede dritte Kilowattstunde Strom aus Erneuerbaren Energien. Bis 2022 wird die Stromproduktion aus Atomkraft in Deutschland beendet sein. Folgelasten und Folgekosten aus dem nicht-nachhaltigen Irrweg der Atomkraft werden wir und nachfolgende Generationen allerdings auf unabsehbare Zeit zu tragen haben.

 

Heute stehen wir vor großen Herausforderungen und Veränderungen.

Uns geht es darum, die Chancen zu nutzen, die uns in eine gute und nachhaltige Zukunft führen. Dabei dürfen wir uns nicht länger in Widersprüche verwickeln lassen. Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit müssen wieder in Einklang gebracht werden.

 

 

Thesen und Lösungsansätze


Die folgende Einleitung soll in fünf Punkten einen kurzen Überblick zu dem Gesamtthema und zu Lösungsansätzen geben, die uns vor diesem Hintergrund wertvoll erscheinen:

Veränderung

Zwei Treiber für Veränderung: die Not und die Einsicht

Heute leben wir in einer Zeit, in der Veränderungen unvermeidlich sind. Die Kernfragen unserer Zeit nicht zu lösen ist keine Option. Mangelt es an Einsicht und zögern wir zu lange, die Lösungen in Angriff zu nehmen, so führt dies zu all den Krisen, die uns heute plagen und die sich solange verschärfen und überlagern, bis die Not uns zur Veränderung zwingt.

 

Zu den positiven Errungenschaften unserer Gesellschaft gehören der Atomausstieg und die Tatsache, dass ab 2015 jede dritte Kilowattstunde Strom in Deutschland bereits aus Erneuerbaren Energien kommt. Dieser Erfolg der „Energiewende Phase 1“ ist nicht aus der Not oder aus der „German Angst“ heraus geboren, wie uns manche weismachen wollten. Er ist Ergebnis von Einsicht und Verantwortung, getragen durch Werte und Moral. Einzelne Menschen, Pioniere, fanden immer breitere Unterstützung aus der Gesellschaft. Es entstanden Energiegenossenschaften. Zunehmend unterstützte die Politik durch bessere Rahmenbedingungen (EEG) und schließlich folgte die etablierte Wirtschaft diesem Weg.

 

Die erfolgreiche Markteinführung der Photovoltaik ist das beste Beispiel. Sie ist ein Geschenk der Deutschen an uns selbst, folgende Generationen und die Welt. Sie ist ein Baustein zur Förderung von Friede und Wohlstand in der Welt. Auf der anderen Seite zeigen die nun erreichten Beschlüsse zum Atomausstieg, was nicht-nachhaltige Irrwege bedeuten. Heute können wir ansatzweise die Gesamtbilanz der Atomkraftnutzung in Deutschland erkennen. Für einen verhältnismäßig kleinen Beitrag zur Stromerzeugung - etwa 5,6 PWh (Petawattstunden) Atomstrom von 1962 bis 2022 entspricht weniger als 10 Jahre Gesamtstromverbrauch Deutschlands - muss die Gesellschaft diese Technik mit ihren Folgekosten dreimal bezahlen: Markteinführung, Stromrechnung und auf unabsehbare Zeit hat die Gesellschaft für Sicherheit und Betrieb der Zwischen- und Endlager für Atommüll zu zahlen.

 

Energiewende 2.0

Energiewende 2.0, Agrarwende, Verkehrswende

Heute erfordern Themen wie Klimaschutz, Kohleausstieg, eine umweltverträgliche Biomassenutzung und damit verbunden eine umweltverträgliche Landwirtschaft verstärkt unser Engagement. Wie der Zusammenhang Klimawandel und Ressourcenverknappung zeigt, ist die Energiewende 2.0 und darüber hinaus die Verkehrswende und die Agrarwende konsequent in Angriff zu nehmen. Für einen vollständigen Umstieg auf Erneuerbare Energien bis 2050 wird die Optimierung des Gesamt-Energieversorgungssystems für Strom, Wärme und Verkehr (Sektorkopplung) entscheidend sein. Gleichzeitig zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren das Gesamtsystem in Balance zu bringen (Energiespeicher, Netzausbau, europäische Integration) verdient heute unsere Aufmerksamkeit und eine breite gesellschaftliche Unterstützung.

 

Umweltverträglichkeit steht dabei an erster Stelle, denn mit unseren Ökosystemen können wir nicht verhandeln bis zu welcher Grenze wir denn meinen, dass sie gefälligst stabil zu bleiben hätten. Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu optimieren sind motivierende Aufgaben für unsere Wissenschaftler, Ingenieure, Unternehmer und die Politik. Technische Fortschritte, wie wir sie in den letzten 25 Jahren bei Photovoltaik und Windkraft beobachten konnten, sind zukünftig auch in weiteren Schlüsseltechnologien wie Energiespeicher und dabei insbesondere Batteriespeicher und Power-to-Gas zu erwarten. Die bewährte Idee der Pumpspeicher wird auch weiterhin ein Element des neuen Energiesystems sein, allerdings in neuer, kreativer und vielfältiger Weise.

 

Politik

Politik

Global denken, lokal handeln

Ökosysteme enden nicht an der Gemarkungsgrenze einer Gemeinde. Es ist festzustellen, dass unsere elementaren Lebensgrundlagen immer stärker geschädigt werden. Die Ursachen und Zusammenhänge zu verstehen erfordert ein globales Denken (siehe Kernfragen sowie Klimawandel und Ressourcenverknappung). Jeder hat als Verbraucher und Bürger die Freiheit zu handeln um der Schädigung unserer Umwelt entgegenzuwirken.

 

Konkret etwas zu tun, beginnt im eigenen Verhalten, was und wie viel man verbraucht, ob und wie man sich in Initiativen in der eigenen Kommune und in der Region einbringt. Unsere Region liegt im Bereich Idstein, Niedernhausen und Umgebung sowie in der Vernetzung mit weiteren Initiativen im Rheingau-Taunus-Kreis und Wiesbaden. Die Möglichkeiten auch aus Initiativen heraus eine positive Veränderung anzuregen und zu unterstützen sind vielfältig wie Beispiele von Bürgersolaranlagen und Stromnetzkauf zeigen.

 

Demokratie – Sternstunden und Widerstände

Sich mit vielen Menschen zu einigen, die unterschiedliche Meinungen, Überzeugungen und Interessen vertreten, ist ein schwieriger und langwieriger Prozess. Einen gangbaren Lösungsweg oder gar „die Wahrheit“ zu finden ist harte Arbeit und setzt Offenheit, Toleranz und Geduld voraus. Unsere Demokratie führt uns dies täglich auf jeder Ebene vor (Kommune, Kreis, Bundesland, Land, EU). Einerseits kann dies frustrierend sein, wenn man sich mit seinen Bedürfnissen und seiner Meinung nicht, nur schwach oder viel zu langsam wahrgenommen und vertreten fühlt. Mehr als 70 Jahre Frieden und Freiheit in Europa lehrt uns aber, wie elementar es für uns alle ist, diese historische Errungenschaft in unserem Land und in Europa zu bewahren und zu verteidigen.

Wir leben in einer Zeit, in der man sich solch elementare Grundlagen unserer Gesellschaft täglich erneut ins Bewusstsein rufen muss. Eine Zeit, in der Rechtspopulisten und Narzissten ganz offen und absichtlich mit Lügen („alternativen Fakten“) das Urteilsvermögen der Menschen vernebeln sowie Internet und „sozialen Netze“ als strategische Werkzeuge missbrauchen um Verwirrung zu stiften und Menschen zu manipulieren. Wir sind herausgefordert die Dinge zu durchschauen und unsere Urteilskraft zu stärken. Ganz besonders für uns „Deutsche“ ist der anständige Weg, zu unseren Grundwerten und zu Europa zu stehen. Niemals wieder dürfen wir uns entwürdigen, einen Weg zu gehen, der mit Lügen, Angst, Hass, Überhöhung eines Teils der Gesellschaft, Ausgrenzung der „Anderen“ beginnt und über Rassismus, Mauern, Stacheldraht, Schießbefehl zurück führt zu dem schwärzesten Kapitel unserer Geschichte.

 

Einerseits ist es schockierend, andererseits für Realisten aber leider wenig erstaunlich. Wir müssen uns heute die grundlegenden Fragen nach Demokratie, Friede und Freiheit stellen. Und dies kurz nach einer historischen Sternstunde der Weltpolitik.

Am 12.12.2015 gelang in Paris die Einigung auf das Weltklimaabkommen, welches im November 2016 völkerrechtlich verbindlich in Kraft trat. 195 Länder einigten sich einstimmig (!) auf das Zwei-Grad-Ziel als die verbindliche Obergrenze für die Erderwärmung sowie zusätzliche Anstrengungen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Jedem war klar, dass es eine enorme Herausforderung ist, dieses Abkommen umzusetzen. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist innerhalb weniger Jahrzehnte auf netto Null zu senken (Dekarbonisierung). Dies verändert die Spielregeln für Technologie und Wirtschaft tiefgreifend und es läuft Interessen von Konzernen und Ländern zuwider, die von der Ausbeutung, Handel und Verbrennung fossiler Energieträger leben.

 

Kernfragen und Lösungsansatz in der Politik

Woran es unseres Erachtens in der heutigen Politik mangelt, ist

  • die wichtigsten Kernfragen unserer Zeit klar zu identifizieren
  • zu erkennen, dass nachhaltige Lösungen erfordern, die Kernfragen im Zusammenhang zu sehen
  • konsequent an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

Bekanntlich ist es sehr viel einfacher Zweifel zu säen als komplexe Probleme zu lösen. In die Lücken, die die heutige Politik zeigt, stoßen Populisten. Stimmenfang bei Wählern mit schlichten Parolen wird solange möglich sein, bis die ernsthaften politischen Kräfte schlüssige Lösungen anbieten und diese verständlich kommunizieren.

 

Unter Kernfragen verstehen wir Themen, die mittelfristig zu außerordentlichen Krisen führen, sollte es zu keiner Lösung kommen. Wir sehen hier

  • ökologische Fragen (Klimawandel, Ressourcenverknappung, weitere Überschreitungen der planetarischen Grenzen)
  • Zwang zum Wirtschaftswachstum
  • soziale Fragen (Arbeit/Arbeitslosigkeit, Gerechtigkeit).

Eine sozial-ökologische Marktwirtschaft wäre unseres Erachtens die richtige Politik, um diese Fragen im Zusammenhang zu bearbeiten und Lösungen zu finden, die Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit versöhnen.

 

Werte und Moral

Werte und Moral

Als weitere Kernfrage sehen wir Werte und Moral. Lange Zeit galt dies als Privatsache - es war verpönt darüber zu sprechen. Viele Mitbürger verstanden dies als Spaßbremse und fühlten sich in ihrem Freiheitsverständnis bedrängt. Seit Demokratie, Freiheit und Friede in Europa durch Terrorismus und Rechtspopulismus angegriffen werden hat sich dies geändert. Viele Persönlichkeiten rufen dazu auf, dass wir uns auf unsere Werte und Moral besinnen. Wir können dies nur unterstützen, denn wer Werte und Moral in seinem Selbstbewusstsein pflegt und seine Urteilskraft schärft, wird immun gegen die Parolen der Rechtspopulisten und hält dem Informations-Tsunami stand, der uns tagtäglich herausfordert. Zur Orientierung haben wir dazu drei Ebenen mit universaler Aussagekraft näher betrachtet:

  • unsere Grundwerte (westliche Werte)
  • christliche Werte
  • grundlegende Errungenschaften der Aufklärung (am Beispiel Kant), auf denen unsere Demokratie beruht.

Wer etwas zu diesem Thema und den Zusammenhängen nachlesen möchte und gleichzeitig offen ist, um den Stand seiner eigenen Moral zu prüfen und weiterzuentwickeln, der findet vielleicht in der Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus hervorragende Anregungen[2]. Sie zeigt, wie die ethische Entwicklung der Menschen zur Lösung der globalen ökologischen Krise und sozialen Ungerechtigkeit beitragen kann.

 

Effizienz

Effizienz, Erneuerbare Energien und Entgierung

E. U. von Weizsäcker: Menschheit lernt oder geht zugrunde

Eine herausragende Persönlichkeit zum Thema Umwelt ist Ernst Ullrich von Weizsäcker.

"Großer Wandel steht uns bevor. Noch nie stand die Menschheit, standen wir vor einer so überwältigenden Aufgabe" lauten die ersten Sätze in seinem Buch Faktor Fünf (Rezension/Handelsblatt , Interview). Ob wir einfach so weitermachen und die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören, liegt in unserer Hand. Weizsäcker hält sich aber nicht mit Warnen und dem Beklagen der Situation auf, sondern skizziert einen sehr ambitionierten, aber machbaren Lösungsweg. Wir haben die Chance, die "Perspektive eines CO2-schlanken Wohlstands" zu realisieren.[3]

  • Effizienz: Dazu müssen wir "unser ganzes Können in Naturwissenschaft und Technik dafür einsetzen, die Umweltbelastungen entscheidend zu verringern ... eine Reduzierung der Umweltbelastung um den Faktor Fünf ist ein ... realistisches Ziel, das zu äußerst tiefgreifenden Veränderungen quer durch alle Industrien, Gesellschaften und Kulturen führen würde." meint Weizsäcker[3]. Die weltweite Ressourcenproduktivität lässt sich um mindestens 75 bis 80 Prozent steigern, zeigt Weizsäcker und sein Team.
  • Erneuerbare: Der verbleibende Energiebedarf könnte komplett durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.
  • Entgierung: Die Fortschritte mit dieser Effizienzrevolution dürfen aber nicht wiederum durch weiters Wachstum an Ressourcen- und Energieverbrauch zunichte gemacht werden. Eine nachhaltige Zivilisation kommt nicht ohne Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl aus.

Wir meinen, die oben skizzierten Lösungsansätze ergänzen sich, gehen in die richtige Richtung und zeigen eine attraktive Zukunftsperspektive. Diese Gesamtsicht, wie wir uns den Weg zu einer lebenswerten Zukunft erarbeiten können, bietet jedem Einzelnen, allen gesellschaftlichen Gruppen sowie der Politik auf allen Ebenen einen Kompass zum Handeln.